Hintergrund
Texte: Krieg in Uganda | Kinder im Krieg | Wie Caritas Gulu ehemaligen Kindersoldaten hilft



Wie Caritas Gulu ehemaligen Kindersoldaten hilft
Als sich die beiden Filmemacher bei der Recherche zu ihrem Dokumentarfilm LOST CHILDREN auf die Situation der Kinder in Nord-Uganda konzentrierten, stießen sie durch Vermittlung einer UN-Beraterin auf das Projekt der Caritas Gulu in Pajule. Es ist das einzige Projekt „an der Front“, mitten im Zentrum des Krieges und damit leichter für die fliehenden Kinder erreichbar. Überzeugend erschien den Regisseuren auch der fachliche Ansatz: Das Projekt steht komplett unter lokaler Führung, wird unterstützt von einem Trauma-Experten aus Deutschland und legt großen Wert auf die Zusammenarbeit mit den Acholis. Caritas International, das Hilfswerk der deutschen Caritas, finanziert dieses Projekt seit 1999.
Anlaufstelle für die Kindersoldaten ist Pajule Centre, ein Auffangcamp, das Caritas vor drei Jahren gründete. Die Rebellenarmee verknüpfte damals die Freilassung von Kindern und Jugendlichen an die Bedingung, dass sich die Caritas Gulu um die Wiedereingliederung kümmert. Im Pajule Centre werden sie medizinisch und psychologisch versorgt, erhalten Unterkunft und Verpflegung. Parallel machen sich die Sozialarbeiter des Zentrums auf die Suche nach ihren Familien. Das Camp war bislang für 900 Kinder und Jugendliche der erste Schritt auf dem Weg zurück in ihre Familien und Dorfgemeinschaften.
Die Annäherung zwischen den Kindern und ihren Familien ist nicht immer einfach. Auf der einen Seite hat der Krieg bei den Kindersoldaten, die in Pajule ankommen, deutliche Spuren hinterlassen: Sie leiden unter Verletzungen an Körper und Seele, die nur langsam heilen. Auf der anderen Seite begegnen Angehörige und Dorfgemeinschaften den ehemaligen Kindersoldaten mit Misstrauen und Angst, weil sie fürchten, dass ihre Kinder in der Armee selbst zu Tätern geworden sind.
Um die Gemeinden auf die besonderen Probleme der traumatisierten Kinder vorzubereiten, bietet die Caritas Informationsveranstaltungen und Trainingsworkshops an. Für die tägliche Arbeit werden Katecheten, Priester und Lehrer zu therapeutischen Beratern ausgebildet, die sich um die ehemaligen Kindersoldaten und deren Angehörige kümmern.


Diese Helfer bieten den Kriegsopfern das wichtigste in dieser Situation: Sie hören ihnen zu, nehmen Anteil und verurteilen sie nicht für das, was sie getan haben. Sie wohnen in den Dörfern und Lagern, inmitten der Menschen, die sie brauchen.
Durch die Berater lernen die Kinder zu erzählen und so ihre Erlebnisse zu verarbeiten – eine Form der Problembewältigung, die in der Acholi-Kultur nicht verankert ist. Dabei setzen die Helfer keine fertigen Lösungen vor; vielmehr motivieren sie die Heranwachsenden, an die eigenen Kräfte zu glauben und ihren eigenen Weg zu finden – unter anderem durch individuelle Bildungsangebote. Um die Akzeptanz all dieser Angebote zu erhöhen, war es besonders wichtig, das Vertrauen der Stammes-Chefs zu gewinnen, die mittlerweile die Arbeit der Caritas durch ihre traditionellen Versöhnungs- und Reinigungsriten aktiv unterstützen. Diese Anerkennung durch die Acholi konnte nur erreicht werden, weil Caritas in seiner Auslandsarbeit konsequent auf die Kompetenz und das Engagement einheimischer Mitarbeiter setzt. Die lokalen Fachkräfte haben ihre Wurzeln selbst in dieser Region, sprechen die Sprache der Betroffenen, kennen ihre Kultur und genießen deshalb das besondere Vertrauen der Bevölkerung.
Informationen über die Arbeit von Caritas International: www.caritas-international.de