Kinderarbeit

Kinderarbeit in der Textilindustrie

René Gräber
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René Gräber

In Afrika und Südostasien zum Beispiel ist es gang und gäbe, dass fünf- bis 14-jährige Kinder in spärlich beleuchteten Spinnereien und Textilfabriken den ganzen Tag vor ohrenbetäubenden Maschinen sitzen müssen. Anderswo stehen sie auf Baumwollfeldern, so weit das Auge reicht, in ständigem Kontakt mit Pestiziden. Die zu diesem Preis produzierten Textilien kaufen wir dann hier für wenige Euro, um sie oft genug nach dem ersten Waschen in die Mülltonne zu werfen.

Diese kaum entlohnte Arbeit, die die Kinder dort unter menschenunwürdigen Bedingungen leisten müssen, würde hierzulande kein Erwachsener mehr als 30 Minuten aushalten.

Für so ein schickes, buntes Hemdchen, das Sie hier im Laden für vielleicht 29,90 Euro kaufen, bekommt die Näherin in Südostasien gerade mal 18 Cent. Handelt es sich dabei „nur“ um ein Kind, bekommt dies kaum die Hälfte davon. Entsprechend weniger ist das bei einem einfachen T-Shirt, das auf dem Grabbeltisch bei uns für fünf Euro zu haben ist.

Was ist der Motor dieser unerträglichen Zustände?

Früher gab es mal eine Sommer- und Winterkollektion, die für beständige Abwechslung in der Mode sorgen und die Kauflust der Konsumenten antreiben sollte. Das reichte den gierigen Konzernen so aber nicht aus, daher wurde das Stichwort „Fast Fashion“ erfunden, um so eine Notwendigkeit des monatlichen Wechsels der Kollektionen zu begründen.

Tatsächlich kauft allein jeder Deutsche im Durchschnitt 60 Kleidungsstücke pro Jahr, wobei der günstige Preis für die meisten das ausschlaggebende Kriterium ist.

Die Kinder in den Textilproduktionsländern haben in aller Regel gar keine andere Wahl, als ihre verarmten Eltern finanziell, also mit ihrer Arbeitskraft zu unterstützen. Bangladesch ist so ein Hotspot der Kinderarbeit in der Textilindustrie. Dort beträgt das Durchschnittseinkommen der Menschen 1.482 Euro pro Jahr, in Indien ist das mit 1.710 Euro zwar ein bisschen besser, aber Statistik ist nicht besonders gut geeignet, die Realität der einzelnen Menschen abzubilden. Damit ein Superreicher als „Datenausreißer“ in der Statistik seinen Ausgleich findet, müssen 50.000 arme Familien eben deutlich weniger als den Durchschnittswert verdienen.

Der asiatische Kontinent exportiert weltweit die meisten Textilwaren. Ungefähr sieben Prozent der Kinder dieses großen Kontinents, das sind immerhin um 62 Millionen Kinder, müssen in extrem ausbeuterischer Weise arbeiten. Mit Sklavenarbeit ist die Situation gewiss treffend umschrieben. Manchmal kommt es sogar ans Tageslicht, was dort passiert, zumindest dann, wenn Medien wittern, eine Schlagzeile gut verkaufen zu können.

Im Jahre 2013, vielleicht erinnern Sie sich noch daran, stürzte in Bangladesch unvermittelt ein größeres Gebäude ein, in dem gleich mehrere Textilfabriken untergebracht waren. Dabei kamen über tausend Menschen, darunter besonders viele Kinder, ums Leben.

Können beziehungsweise sollten wir etwas gegen Kinderarbeit tun?

Wer nun bereitwillig darauf achtet, dass sein T-Shirt in Zukunft mindestens 50 Euro kosten muss, hat die Rechnung ohne den Wirt gemacht, denn auch dieses Kleidungsstück kann von einem Kind für wenige Cent produziert worden sein. Im Übrigen kann jeglicher Aktionismus für die betroffenen Menschen nach hinten losgehen, solange nicht dafür gesorgt ist, dass diese dann eine alternative, menschenwürdige Einkommensquelle haben. Ihnen nur einfach ihrer jetzigen Möglichkeiten zu berauben, wäre das denkbar schlechteste Vorgehen.

Ohne eine gute, fundierte wirtschaftspolitische Weichenstellung in den betroffenen Ländern wird es nicht gehen.

Nicht zuletzt durch solche Initiativen wie das „Fairtrade“-Label oder das GOTS-Siegel haben sich die Zahlen bei der Kinderarbeit zumindest schon mal in die richtige Richtung entwickelt. Zur Jahrtausendwende arbeiteten weltweit circa 246 Millionen Kinder, 16 Jahre später waren es „nur“ noch 152 Millionen.

Auf die Kinderarbeit in Afrika wurde oben bereits hingewiesen. Den Schwerpunkt bilden dort die südafrikanischen Länder Lesotho und Swasiland, während Baumwolle vorrangig von Kindern in Ägypten und Usbekistan geerntet wird. In diesem Rahmen müssen die Baumwollpflanzen nach Raupen abgesucht und die bereits infizierten Blätter entfernt werden. Bei der Seidenproduktion kommt es immer wieder zu schweren Infektionen durch tote Seidenraupen und beim Färben der Stoffe sind es giftige Dämpfe, die den Kindern zusetzen.

In dieser Firmenliste hat „aktivgegenkinderarbeit“ eine Übersicht zusammengestellt mit einem Fokus auf diese Kriterien:

  • Unternehmenspolitik gegen Kinderarbeit
  • Kontrollen der Produktionsstätten
  • Vorwürfe bezüglich Kinderarbeit
  • Engagement gegen Kinderarbeit

Wer sich für die Situation der vielen Kinder interessiert, die täglich auf Baumwollplantagen für uns alle schuften müssen, dem möchten wir abschließend noch diesen ausführlichen Artikel von der Environmental Justice Foundation (EJF) ans Herz legen:

https://ejfoundation.org/resources/downloads/The-Children-behind-Our-Cotton-FINAL_small.pdf

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Dieser Beitrag wurde am 09.03.2022 erstellt.

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