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Lost Children – Die Kindersoldaten – Der FILM

René Gräber
Hier schreibt:
René Gräber

Die Regisseure Oliver Stoltz und Ali Samadi Ahadi haben 2003 und 2004 einen Dokumentarfilm in Uganda gemacht. Im Mittelpunkt stehen die Schicksale einiger Kinder, die von dem erbarmungslosen Konflikt zwischen den LRA-Rebellen (Lord’s Resistance Army) und den ugandischen Regierungstruppen geprägt waren.

Die Dreharbeiten erfolgten im September 2003 und zwischen Januar und Mai des darauffolgenden Jahres und dauerten insgesamt zehn Wochen. Dabei wurden circa 30 Kinder in dem Auffanglager in Pajule im nördlichen Uganda interviewt. Dieses Lager befand sich ungefähr 40 Kilometer von der sudanesischen Grenze entfernt und wurde von der Caritas Gulu betrieben.

All diesen Kindern war die Flucht von der LRA gelungen. Sie hatten dort als Kindersoldaten und/oder Sexobjekte zu dienen und wurden zudem gezwungen, brutale Morde sowie weitere schwere Menschenrechtsverletzungen durchzuführen. Einen besonderen Fokus richteten die Regisseure auf die Schicksale dieser vier Kinder:

  • Richard Kilama
  • Jennifer Akelo
  • Francis Ochaya
  • Vincent Opio

Darüber hinaus bemüht sich der Film darum, die Tätigkeiten der beiden Caritas-Mitarbeiter Grace Arach und John Bosco zu schildern, die sich große Mühe gegeben haben, den Kindern einen Weg zur Wiedereingliederung zu weisen.

Über den Film Lost Children

Fast 20 Jahre lang fand im Norden Ugandas unter den Augen der Weltöffentlichkeit ein unvorstellbares, systematisches Gemetzel statt. Die Mitglieder der Lord’s Resistance Army (LRA) frönen einem religiösen Fanatismus, entführen immer wieder Kinder und zwingen diese, Menschen zu töten, sogar deren eigene Familienangehörige. Die eigentlichen Opfer werden so zu Tätern, wobei einem ganzen Volk über Generationen hinweg die Lebensgrundlagen und seine Zukunft zerstört werden.

Der Film porträtiert vier Kindersoldaten im Alter zwischen 8 und 14 Jahren, denen die lebensgefährliche Flucht aus den Lagern der Rebellen gelungen ist. Nichts weiter, als einfach nur Kind sein zu dürfen, wünschen sie sich sehnlichst.

Als Kinder waren die Regisseure selbst mit Krieg konfrontiert. Aus diesem Grunde wählten sie bewusst die Perspektive der Kinder für ihren Film. Die Uraufführung des Films erfolgte auf der Berlinale im Jahre 2005, die ihm unmittelbar den PANORAMA-Publikumspreis einbrachte. Inzwischen hagelte es auf vielen internationalen Festivals weitere Preise, so zum Beispiel auch den begehrten UNICEF-Filmpreis oder die „Lola“ von der Filmakademie. Dabei handelt es sich um den Deutschen Filmpreis als bester Dokumentarfilm (2006).

Auf Initiative von „Human Rights Watch“ wurde Lost Children im Februar 2006 gezielt den Journalisten und Abgeordneten im Brüsseler Europaparlament vorgeführt. Einen Monat später erfolgte die Filmvorstellung für den damaligen Bundespräsidenten Horst Köhler im Schloss Bellevue mit einer anschließenden Diskussion mit Studenten. Ebenfalls im März 2006 gab es noch ein Screening für Abgeordnete des Deutschen Bundestages.

Das gesamte Team um den Film Lost Children bemühte sich mit voller Überzeugung auf verschiedenen Ebenen immer wieder um Verbesserungen der Lebensumstände in Nord-Uganda.

Das Schulmaterial & Filmheft von Daniela Ramin und Kristina Niemann zu „Lost Children“ finden Sie immer noch im Archive: Schulmaterial zum Film “Lost Children”

Darin führen die beiden Autorin u.a. zu den Dreharbeiten aus:

Die Filmemacher Ali Samadi Ahadi und Oliver Stoltz führten im Auffanglager Pajule Interviews mit über 30 Kindern durch, bis sie sich schließlich auf die vier konzentrierten, die im Film zu sehen sind. Insgesamt viermal reisten die Regisseure nach Norduganda und drehten mehr als 120 Stunden Filmmaterial unter schwierigsten Bedingungen. Der Film entstand in drei Drehphasen (September 2003, Januar und Mai 2004). Um nicht zur Zielscheibe der Rebellen zu werden oder der drastischen Zensur der Regierung zu unterliegen, reiste das Team inkognito mit kleinem Equipment und der Unterstützung der Caritas Gulu.

Schwierigkeiten in Bezug auf die Dreharbeiten bestanden zudem darin, dass es in und um Pajule weder Strom noch Telefon, kein fließendes Wasser und mehr Gerüchte als ernsthafte und gesicherte Informationen zu dem Einsatz von Kindern im Krieg gibt. Noch während der Drehzeit wurden drei Mitarbeiter des Pajule Centers im Auto von Rebellen überfallen. Einer von ihnen wurde getötet. Zwei Tage nach der Abreise des Teams im Oktober 2003 wurden der Ort Pajule und das Auffanglager von den Rebellen angegriffen. Dabei starben fast 20 Menschen und über 240 wurden entführt.

Um kein Aufsehen zu erregen, wurde auf Mini DV gedreht. Mit einem kleinen Generator konnten Akkus und ein Powerbook betrieben werden. Jeden Abend wurde das Material des Tages auf Festplatte überspielt, damit bei einem Angriff der Rebellen nicht der komplette Film verloren ging. Das Material wurde aus der Regionalsprache Acholi ins Englische übersetzt. Während der Drehs folgte das deutschsprachige Filmteam dem Geschehen mittels Simultanübersetzung.

 

 

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